Private Kutschenfahrt in Engelberg – fünf Stunden, die niemandem Rechenschaft schulden

Eine private Kutschenfahrt in Engelberg ist mehr als eine kurze Rundfahrt. In dieser Geschichte begleite ich sechs ehemalige Arbeitskollegen auf einem fünfstündigen Wintertag mit Apéro auf der fahrenden Kutsche, einem Mittagessen am «Ende der Welt» und einem zweiten Halt im Eienwäldli. Die Route entsteht unterwegs, das Tempo richtet sich nach den Gästen, und das Kloster Engelberg zieht sich als leiser Bezug durch den Tag. Der Beitrag zeigt, wie eine individuell geplante Kutschenfahrt in Engelberg abläuft und weshalb sie sich für Menschen eignet, die sich bewusst Zeit nehmen.

12 Uhr. Februarlicht. Sechs Gäste steigen ein.

Dieser Tag beginnt ruhig. Trotzdem merkt man sofort, dass er etwas Besonderes werden soll. Um 12 Uhr stehen sechs Menschen bereit, die sich seit Jahren kennen, früher gemeinsam gearbeitet haben und jetzt wieder zusammen unterwegs sein wollen.

Der pensionierte Wirt hat eingeladen. Es gibt keinen runden Geburtstag, kein Jubiläum, keinen offiziellen Anlass. Er wollte einen Tag organisieren, der ihnen gehört und an dem niemand auf die Uhr schaut.

Die Sonne scheint klar vom Februarhimmel, die Luft ist frisch und sauber, auf dem Boden glitzern noch Konfetti-Reste von der Fasnacht. Engelberg wirkt aufgeräumt, fast erleichtert nach den vergangenen Tagen. Die Gäste sind seit 11 Uhr im Dorf. Sie wären am liebsten früher gestartet, doch wir waren vorher unterwegs.

Unsere Pferde kommen ruhig an. Sie haben den ersten Einsatz des Tages hinter sich und wirken gelassen: kein übermütiger Start, kein nervöses Zappeln, sondern ein gleichmässiges, ruhiges Tempo. Von Anfang an wird klar: Dies wird keine kurze Runde. Niemand fragt nach Sehenswürdigkeiten oder einer bestimmten Strecke. Es geht nicht darum, möglichst viel zu sehen, sondern gemeinsam unterwegs zu sein und sich Zeit zu nehmen. Genau dafür ist eine private Kutschenfahrt in Engelberg gedacht. Route und Dauer besprechen wir im Voraus, der Tag entwickelt sich trotzdem so, wie es für die Gruppe stimmt.

Der Apéro rollt mit – ein Glas Klosterwein als Gesprächsöffner

Der Apéro beginnt nicht am Tisch, sondern in der Bewegung. Kaum setzen sich die Räder in Gang, werden die ersten Gläser eingeschenkt – entweder haben die Gäste etwas mitgebracht oder wir stellen den Wein bereit.

Auf der Kutsche gibt es keinen Picknickplatz. Die Schaffelle halten warm und bleiben sauber – genau so soll es sein. Sie gehören zur Stimmung wie das leise Schnauben der Pferde.

Wenn wir den Apéro organisieren, kommt der Weisswein vom Kloster Engelberg, von den Reben am Bielersee bei Twann. Und schon ist man mitten im Gespräch. Wer war schon dort? Seit wann besitzt das Kloster Reben? Der regionale Bezug verbindet sofort, weil das Kloster hier dazugehört.

Die Kutsche fährt ruhig durch das helle Februarlicht. Man sitzt sich gegenüber wie in einem Abteil, schaut sich direkt an, hebt das Glas, stösst an. Stimmen werden lebendiger, Erinnerungen tauchen auf, irgendwo fällt ein erstes herzliches Lachen.

Ein Schluck Wein, ein Blick nach vorne, eine Anekdote aus früheren Zeiten – und plötzlich merkt niemand mehr, dass man unterwegs ist. Man ist zusammen.

Manchmal wird viel geredet. Manchmal lehnt sich jemand zurück und geniesst die Stille. Und manchmal prasseln die Fragen auf uns ein, weil man alles über Pferde, Routen und diesen besonderen Alltag wissen möchte. Jede Gruppe bringt ihre eigene Dynamik mit, und darin liegt der Reiz einer privaten Kutschenfahrt in Engelberg: Der Tag entwickelt sich mit den Menschen, die dabei sind.

Mittagessen am «Ende der Welt» – ankommen ohne Zeitdruck

Die erste Station führt ans «Ende der Welt». Nach der Fahrt durch den Wald öffnet sich das Tal unerwartet. Ein gewaltiger Halbkreis aus Berg und Fels, ein paar Häuser dazwischen, eine Strasse hin und keine weiter. Hier endet die Welt tatsächlich.

Kurz vor dem Restaurant passieren wir die Horbiskapelle. Sie steht linker Hand, man sieht sie erst auf den letzten Metern. Eine der sieben Talkapellen – wieder dieser leise Bezug zum Kloster, der sich durch den ganzen Tag zieht.

Zum Restaurant geht es leicht bergauf. Hier fahren wir bewusst mit maximal sechs Gästen, damit es für die Pferde angenehm bleibt. An diesem Tag ziehen Dollar und Campino, zwei Füchse, die Kutsche hinauf. Man spürt den gleichmässigen Zug, hört das rhythmische Hufklopfen auf der Strasse, und oben wartet der für uns freigehaltene Parkplatz. Die Familie Bissig reserviert ihn, wenn wir uns anmelden – eine kleine Selbstverständlichkeit, die viel Ruhe in den Ablauf bringt.

Drinnen wird gutbürgerlich gegessen, bekannt ist das Haus vor allem für seine Wildgerichte aus eigener Jagd. Wenn die Sonne scheint, lädt die grosse Terrasse selbst im Winter dazu ein, noch einen Kaffee draussen zu trinken und einfach sitzen zu bleiben.

Es gibt keinen festen Zeitplan und keinen schnellen Espresso im Stehen. Niemand schaut auf die Uhr. Der Aufenthalt richtet sich ganz nach den Gästen, der Tag gehört ihnen. Wie lange sie hier oben bleiben, entscheiden sie selbst.

Ob der Kutscher mit am Tisch sitzt, ist ebenfalls offen. An diesem Sonntag kam die Einladung – und damit noch ein paar Geschichten mehr über Engelberg. Manchmal bleibt der Kutscher auch bei den Pferden. Auch das ergibt sich, je nachdem, wie es für die Gruppe passt.

Die Route entsteht unterwegs – Sonne im Horbis, Winter im Eienwäldli

Am Nachmittag verändert sich das Licht – und mit ihm die Stimmung der Fahrt. Während das Horbis noch immer in der Sonne liegt, tauchen wir weiter südlich Schritt für Schritt in den Schatten ein.

Ein letzter Blick zurück zur Kapelle, zum Bächlein, das selbst im Winter leise plätschert, dann geht es durch den Wald talwärts. Vorbei an der Abzweigung zur Lourdesgrotte, am Robinsonspielplatz, wo im Sommer Kinder mit kleinen Flössen unterwegs sind – jetzt liegt alles still unter einer geschlossenen Schneedecke.

Dann kommt die Abzweigung. Nicht rechts zurück ins Dorf, sondern links Richtung «Schwizerhüsli». Das Schwizerhüsli, offiziell Wirtschaft Zum Schweizerhaus, ist die älteste Wirtschaft im Dorf, direkt neben der Holzkapelle. Diesmal fahren wir weiter. Ein schmaler Weg führt zur Puschen, danach geht es in einer scharfen Kurve nach rechts Richtung Alpenresort Eienwäldli.

Dort wartet der reservierte Nachmittagstisch. Die Kutsche steht gut sichtbar vor dem Hotel, die Pferde ziehen Blicke auf sich und immer wieder bleiben Gäste stehen. Diesmal bleibt der Kutscher bei den Pferden – Dollar und Campino sind hier fast prominenter als mancher Hotelgast.

Drinnen wärmen sich die sechs bei Kaffee oder vielleicht noch einem Glas Weisswein. Draussen wird es spürbar kälter. Der zweite Halt fühlt sich wie ein ruhiger Abschluss des Nachmittags an.

Fünf Stunden, die nur dieser Gruppe gehören

Gegen 17 Uhr starten wir den Heimweg. Die Strasse ist zunächst noch ruhig. Die Pferde merken sofort, dass es nach Hause geht, und ihr Schritt wird munterer.

Mehr Häuser tauchen auf, das Dorf kommt näher. Wir biegen in die Hauptstrasse ein und fahren entlang der langen weissen Mauer um die Klosteranlage herum, vorbei an der Klosterkirche. Dann die Dorfstrasse. Sonntagabend. Die Geschäfte sind geschlossen.

Bis zum Bahnhof – dort, wo alles begonnen hat.

Auf dem Kutschenstandplatz steigen die sechs aus. Sie verabschieden sich, bedanken sich beim Kutscher und streichen Dollar und Campino noch einmal über den Hals. Viel wird nicht mehr gesagt. Man merkt, dass es ein guter Tag war.

Fünf Stunden unterwegs – mit Apéro auf der fahrenden Kutsche und zwei Restaurantstopps. Die Konsumation bezahlen die Gäste direkt vor Ort. Die Route blieb flexibel, die Kutsche war exklusiv für diese Gruppe reserviert. Für diesen Ausflug, fünf Stunden mit zwei Restaurantstopps, zahlten die Gäste 850 Franken.

Private Kutschenfahrten in Engelberg planen wir meist zwischen drei und fünf Stunden, je nachdem wie viele Stopps unterwegs gewünscht sind. Route und Dauer stimmen wir persönlich mit Ihnen ab.

Solche Tage stehen in keinem Prospekt. Sie entstehen, wenn jemand entscheidet, sich Zeit zu nehmen.

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